Ein Rotlichtverstoß kann auch dann vorliegen, wenn die Haltelinie noch bei Grün passiert wurde, das Fahrzeug jedoch hinter der Ampel anhält und erst später in den Kreuzungsbereich einfährt. Ein aktueller Beschluss zeigt, dass Autofahrer die Ampelphase auch nach der Haltelinie im Blick behalten müssen.
Dem Beschluss lag ein Fall zugrunde, in dem eine Autofahrerin die Haltelinie bei grünem Signal passierte, jedoch kurz darauf aufgrund stockenden Verkehrs anhalten musste. Nach den gerichtlichen Feststellungen befand sich ihr Fahrzeug zu diesem Zeitpunkt noch nicht im geschützten Kreuzungsbereich.
Als sich der Verkehr wieder in Bewegung setzte, wartete die Fahrerin weiter, während der Querverkehr in die Kreuzung einfuhr. Erst anschließend bog sie ab. Dabei kam es zu einer Kollision mit einem bevorrechtigten Fahrzeug aus der querenden Fahrtrichtung.
Nach der Auffassung des Gerichts greift das Haltegebot, sobald die Ampel auf Rot umschaltet, bevor das Fahrzeug in den geschützten Kreuzungsraum eingefahren ist. Unerheblich ist dabei, ob die Lichtzeichenanlage aus der aktuellen Fahrzeugposition noch sichtbar ist.
Wer sich somit zwar hinter der Haltelinie, aber noch vor der eigentlichen Kreuzung befindet, muss jederzeit mit dem Wechsel von Grün auf Rot rechnen – insbesondere dann, wenn der Querverkehr bereits anläuft.
Die Entscheidung zeigt, dass Rotlichtverstöße rechtlich differenziert zu beurteilen sind. Bei einem entsprechenden Vorwurf sollten sowohl die Verkehrssituation als auch die Beweislage durch einen Anwalt für Verkehrsrecht sorgfältig überprüft werden.
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