Der zweite Blitzermarathon des Jahres ist vorbei. Vom 3. bis 9. August 2026 standen in mehreren Bundesländern wieder Tempokontrollen im Mittelpunkt. Anders als bei der Frühjahrsaktion im April gab es diesmal keinen zentralen Kontrolltag. Die Messungen verteilten sich über die gesamte Woche.
Das Ziel blieb dennoch dasselbe: Die Polizei wollte überhöhte Geschwindigkeit sichtbarer machen und daran erinnern, dass ein kurzer Tritt aufs Gaspedal schnell ernste Folgen haben kann. Die nun veröffentlichten Zahlen zeigen allerdings deutlich: Selbst angekündigte Kontrollen halten viele Autofahrer nicht davon ab, zu schnell zu fahren. In mehreren Ländern wurden zehntausende Geschwindigkeitsverstöße festgestellt.
Das Wichtigste in Kürze:
- Vom 3. bis 9. August 2026 kontrollierte die Polizei im Rahmen der Sommer-Speedweek verstärkt die Geschwindigkeit.
- Die Bilanz zeigt: Auch angekündigte Kontrollen hielten tausende Autofahrer nicht vom zu schnellen Fahren ab.
- Auffällig viele Verstöße wurden unter anderem in Baden-Württemberg und der Region Berlin-Brandenburg erfasst.
Berlin und Brandenburg: Zehntausende Verstöße in einer Woche
In Berlin und Brandenburg gerieten während der Speedweek mehr als 680.000 Fahrzeuge in die Kontrollen. Bei rund 40.000 Messungen war die zulässige Geschwindigkeit überschritten. Brandenburg meldete dabei mehr als 28.000 Verstöße, Berlin kam auf mehr als 12.000 Fälle.
Besonders deutlich fiel ein Fall aus der Prignitz auf. Dort wurde ein Fahrzeug mit 143 km/h gemessen, obwohl auf dem Abschnitt nur 80 km/h erlaubt waren. Wer so weit über dem Limit liegt, muss regelmäßig mit mehr rechnen als nur einem Verwarnungsgeld. Je nach Ort und Höhe der Überschreitung können ein empfindliches Bußgeld, Punkte und ein Fahrverbot folgen.
Baden-Württemberg: Mehr Tempoverstöße als im Vorjahr
Besonders auffällig fällt die Bilanz aus Baden-Württemberg aus. Dort registrierte die Polizei während der Aktionswoche 84.132 Geschwindigkeitsverstöße. Im Vorjahr waren es noch rund 66.500 Fälle. Damit liegt die Zahl der erfassten Verstöße mehr als ein Viertel höher als 2025.
Für viele Betroffene bleibt es nicht bei einem einfachen Bußgeld. In 938 Fällen steht nach Angaben der Behörden ein Fahrverbot im Raum. Das betrifft vor allem Fahrer, die innerorts mit mehr als 31 km/h oder außerorts mit mehr als 41 km/h über dem erlaubten Tempo unterwegs waren.
Schleswig-Holstein: Weniger Verstöße als 2025
Ein anderes Bild zeigt sich in Schleswig-Holstein. Dort wurden während der Sommer-Speedweek 14.868 Tempoverstöße festgestellt. Im Vergleich zur Aktion im August 2025 ist das ein deutlicher Rückgang. Damals lagen die Zahlen noch bei mehr als 23.000 Verstößen.
Die Polizei führt die Entwicklung unter anderem auf ein geringeres Verkehrsaufkommen und bekannte Messstellen zurück. Offenbar reagieren viele Verkehrsteilnehmer vor allem dort vorsichtiger, wo sie mit Kontrollen rechnen. Für die Verkehrssicherheit ist das nur bedingt beruhigend: Wer sein Tempo nur am bekannten Blitzer reduziert, fährt nicht automatisch insgesamt sicherer.
Bremen: Baustelle auf der A27 wird zum Schwerpunkt
Auch Bremen meldete eine hohe Zahl an Verstößen. Mehr als 5.500 Geschwindigkeitsüberschreitungen wurden während der Aktionswoche gezählt. Fast 120 Fahrern droht nun ein zeitweises Fahrverbot.
Besonders ins Gewicht fiel eine Baustelle auf der A27. Bei zwei Kontrollen stellte die Polizei dort fast 2.300 Verstöße fest. Erlaubt waren 80 km/h. Ein Autofahrer wurde jedoch mit 175 km/h gemessen. In solchen Fällen können die Folgen erheblich sein: mindestens 700 Euro Bußgeld, zwei Punkte in Flensburg und drei Monate Fahrverbot stehen im Raum.
Was die Bilanz für Betroffene bedeutet
Wer während der Speedweek geblitzt wurde, sollte Post von der Bußgeldstelle nicht vorschnell als erledigt betrachten. Auch bei einer angekündigten Kontrollwoche gelten die normalen rechtlichen Anforderungen. Messgerät, Aufstellung, Eichung, Beschilderung, Toleranzabzug und Foto müssen nachvollziehbar sein.
Besonders aufmerksam sollten Betroffene werden, wenn ein Anhörungsbogen oder später ein Bußgeldbescheid ein Fahrverbot, Punkte oder eine hohe Geldbuße ankündigt. Auch ein unklares Blitzerfoto, eine Messung in einer Baustelle, zweifelhafte Beschilderung oder ein Vorwurf knapp oberhalb einer wichtigen Grenze können Anlass sein, genauer hinzusehen.
Wichtig bleibt die Frist: Gegen einen Bußgeldbescheid kann grundsätzlich nur innerhalb von zwei Wochen nach Zustellung Einspruch eingelegt werden. Wer diese Frist verstreichen lässt, macht es deutlich schwerer, sich später noch gegen die Folgen der Messung zu wehren.
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